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Deutsch zu lernen ist wie Treibsand (arenas movedizas)

Wahrscheinlich kennen wir alle diese Situation: Wir arbeiten hart, manchmal sogar sehr hart und trotzdem kommen wir nicht weiter. Egal, ob im Beruf, im Sport oder beim Lernen der deutschen Sprache. Oftmals haben wir sogar das Gefühl, dass wir schlechter werden, egal wieviel Energie und Kraft wir aufwenden. Es fühlt sich so an, als ob man in einem Treibsand gefangen wäre. Die Energie, die man aufwendet um sich zu befreien, macht alles noch schlimmer. Man kämpft, man schlägt um sich und dennoch sinkt man nur noch tiefer im Treibsand ein. Hast Du dieses Gefühl beim Deutschlernen schon einmal erlebt? Schlechter zu werden, obwohl Du viel Zeit und Energie aufwendest um gut zu sein? Im Treibsand zu stecken und immer tiefer zu sinken, egal wie sehr Du dich bemühst? Woran liegt das? An der Sprache? An dir und deiner Nicht-Begabung? Am Zeitmanagement?

Die Rettung, die dich aus dem Treibsand befreit

Ein Mann, der sich mit den Fragen der Produktivität und des Zeitmanagements beschäftigte, hieß Vilfredo Pareto. Er war Ingenieur und Ökonom aus Italien. Viele, die mit Produktivität und Zeitmanagment zu tun haben, werden seinen Namen kennen. Das Pareto-Prinzip oder die Pareto-Formel wird generell auch als 20/80 Prinzip bezeichnet. Vilfredo Pareto fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts heraus, dass sich 80 Prozent des italienischen Volkseinkommens in der Hand von nur 20 Prozent der Bevölkerung befanden. Dieses Verhältnis übertrug man auf viele andere Gebiete, die mit Ökonomie und Geld überhaupt nichts zu tun haben, und untersuchte es genauer. Und tatsächlich: Man erkannte, dass beispielsweise 20% der Flüsse 80% des Wassers führen, auf 20% der Straßen 80% des Verkehrs rollen, in 20% der Geschäfte einer Stadt 80% des Gesamtumsatzes gemacht werden. 20% der Kunden eines Geschäftes 80 % Umsatz bringen und 20% der Arbeiter eines Betriebes 80%  der gesamten Arbeit erledigen. Für diejenigen, die das erste Mal von Pareto hören, mag sich das seltsam anhören. Aber es ist keine Spinnerei oder Esoterik, sondern tatsächlich eine mathematische Formel. Sie lässt sich auf beinahe alle Lebensbereiche übertragen, wie wir an den Beispielen gesehen haben. Mache einmal den Test bei die selbst und wende die Pareto-Formel in Bezug auf Arbeit, Sport, Lernen, Freundschaften etc. an. Du wirst erkennen, wie sehr die Formel auf alle Bereiche zutrifft. Betrachten wir nun Pareto zur Produktivität von Sprachenlernen.  Die Aussage, die sich daraus ableiten lässt, besagt eindeutig: Konzentriere dich auf die 20% des Einsatzes, die für 80% des Ertrages zuständig sind!!! Die gleiche Formel gilt umgekehrt auch für das negative Verhalten. So etwa, dass 20% der Kunden eines Geschäftes 80% Arbeit verursachen oder 20% der Angestellten in einer Firma für 80% der Streitigkeiten zuständig sind. Und für das Deutschlernen heißt das dann: 20% der Grammatik oder des Wortschatzes verursachen 80% der Kopfschmerzen und zerstören die Motivation. Diese 20% werden nicht (oder noch nicht) benötigt, da sie nicht genutzt werden. Sie rauben daher sehr viel Zeit und Energie und erzeugen große Frustation. Dieser Frust ist kontraproduktiv für das Lernen.

Was bringt Pareto für das Deutsch-Lernen?

Um es mit Paretos Worten auszudrücken: Der Grund, warum wir sehr viel Energie verschwenden und uns nicht aus dem Treibsand befreien können, liegt am falschen Einsatz der Pareto Formel. Als ich beispielsweise vor vielen Jahren in Salamanca begann Spanisch zu lernen, arbeiteten wir in der Sprachschule viele Stunden am Subjuntivo. Nach der Schule konnte ich davon auf der Straße allerdings nur wenig anwenden. Also steigerte ich meine Übungsanzahl und lernte noch mehr Subjuntivo. Bald war ich frustriert und entschloss, die Sprachschule nicht mehr zu besuchen (wahrscheinlich war auch das Nachtleben in Salamanca daran Schuld und nicht nur der Subjuntiv). Heute bin ich schlauer- und älter. Hätte ich damals schon von der Pareto Formel gewusst und sie auch konsequent eingesetzt, so wäre mir viel Frustration erspart geblieben. Ich benutzte nicht die 20%, die mir 80% Ertrag brachten, sondern die 20%, die mir 80% meiner Energie raubten. Wenn ich nämlich einfach nur meinen Einsatz erhöhe, heißt das nicht automatisch, dass ich meinen Ertrag (also meine Sprachkenntnisse) vermehre. Im Gegenteil. Ich konzentriere mich vielleicht auf die falschen 20%, die nämlich 80% unnötiger Arbeit verursachen. Das ist dann genau die Energie, die mich im Treibsand nach unten zieht.                                                                                                                                    Anmerkung zur Sprachschule in Salamanca: Ich möchte nicht der Sprachschule die Schuld für meine Frustration geben. Schließlich hatte ich einen Test gemacht, dessen Ergebnis das Erlernen des Subjuntivs forderte. Die Schuld liegt am System und daran, dass man das System blind übernimmt ohne individuell auf den Lernenden einzugehen.

Was ist das Problem, wenn wir Deutsch lernen wie in der Schule?

Egal, ob Kind oder Erwachsener. Wenn wir Deutsch (oder in meinem Fall Spanisch) lernen wie in der Schule, dann können wir die 20/80 Formel nicht anwenden. Wir müssen das imitieren, was der Lehrer oder das Buch für alle Lernenden vorgibt, egal ob wir es benötigen oder nicht. Welchen Sinn ergibt es aber für einen Deutschen, der sich in Spanien einfach nur verständigen möchte, alle akademischen Formeln des Subjuntivs zu pauken? Wie an anderer Stelle schon einmal erwähnt, spricht man hier von “Bulimie-Lernen” (also etwas konsumieren um es danach wieder auszuspucken). Ein Lernerfolg ist nur wenig oder überhaupt nicht erkennbar (siehe dazu auch den Artikel “Streit darüber, wie man richtig eine Zweitsprache lernt” in der Kategorie “Hola Aleman Philosophie”). So habe ich Deutsch Lernende gesehen, die nach einem Intensiv-Kurs in Grammatik noch mehr verunsichert waren als zuvor. Warum? Weil sie die gelernte Grammatik wie beispielsweise das Passiv, das Plusquamperfekt, das Futur 1 /Futur 2 und das Konjunktiv 1 /Konjunktiv 2 im “wirklichen Leben” nicht anwenden konnten. Sie lernten die Sprache zwar, sie haben sie aber nicht erworben. Um die schwierige Sprache Deutsch also effektiv zu beherrschen und sich aus dem Treibsand zu befreien, müssen wir aufhören wie in der Schule zu lernen. Wir müssen uns auf die 20% konzentrieren, die 80% Ertrag bringen!

Konkrete Planung mit Pareto!

Doch wie setzen wir dieses Wissen nun auch in die Tat um? Wie können wir mit Hilfe von Pareto tatsächlich effektiver lernen? Nun, hierzu müssen wir uns auf die 20% des Einsatzes konzentrieren, die 80% Ertrag bringen. Das heißt zuerst, wir müssen uns vom Bulimie-Lernen und vom Schullernen verabschieden (siehe Blogartikel zu “Konstruktivismus”). Stattdessen ist Eigenverantwortung und Selbstbestimmung wichtig. Bevor Du nämlich mit dem Lernen beginnst, musst Du dich fragen: wo befinden sich meine 20%, die 80% Ertrag bringen? Nimm dazu ein Blatt Papier und arbeite nach den folgenden 5 Schritten:

I.

Schreibe in einem Satz, aus welchem Grund Du allgemein Deutsch lernst/lernen möchtest und was die genaue Beschäftigung in Deutschland ist.

Grund des Lernens: In Deutschland leben und arbeiten/ In Deutschland Urlaub machen/aus Liebe zu meinem Partner, zu meiner Partnerin etc.

Genaue Beschäftigung/Arbeit: Kellner,  Rechtsanwalt etc.

II.

Schreibe im Anschluss alle Themen auf, die für dich wichtig sind um Deutsch zu lernen.

Etwa für einen Kellner, der in Deutschland in einem Restaurant arbeiten möchte: Deutsch im Umgang mit Gästen, Wortschatz zu Essen und Trinken, Deutsch im Umgang mit Geld etc.

Für eine Lehrerin, die in Deutschland Spanisch unterrichten möchte:…….

Für einen Arbeiter, der in Deutschland auf dem Bau arbeiten möchte:……

III.

Wenn Du alle Bereiche aufgeschrieben hast, dann mache aus diesen einzelnen Bereiche eine Liste, indem Du sie nach ihrer Wichtigkeit sortierst. Welche 20% bringen 80% Ertrag? Zum Beispiel könnte bei einem Kellner die Liste folgendermaßen aussehen:

  • 1.) Deutsch um mit Gästen zu sprechen
  • 2.) Deutsch im Umgang mit Geld/Rechnungen
  • 3.) Deutsch im Umgang mit Lebensmittel etc.

IV.

Wenn Du eine Liste von Bereichen nach ihrer Wichtigkeit sortiert hast, dann fragst Du dich, welche 20% Wortschatz und welche 20% Grammatik bringen mir 80% Ertrag? (Voraussetzung ist dabei immer der Grundwortschatz und die Grundgrammatik aus A1)

Grammatik: Welche Grammatik benötige ich wirklich um produktiv zu sein? Benötige ich die Grammatik, die man im Alltag spricht oder benötige ich eine Grammatik, die sich auf einem akademischen Niveau befindet? Welche 20% rauben 80% meiner Energie?

Grammatikbereiche, die ich im Alltag ersetzen kann:

Das Futur (ich werde gehen) kann man auch mit dem Präsens umschreiben (ich gehe). Also anstelle des Futurs: “ich werde ins Fußballstadion gehen”, kann man auch das Präsens benutzen: “ich gehe ins Fußballstadion”. In der spanischen Umgangssprache macht man dies genauso. Frage dich also: Gehört das Futur zu den 20%, die mir viel Zeit und Energie rauben?

Das Präteritum (ich ging) wird  nur als Schriftsprache verwendet – wie auch in diesem Artikel. Wird in der Alltagssprache in der Vergangenheit gesprochen, dann benutzt man eigentlich nur das Perfekt (ich bin gegangen). Anders als im Spanischen ist es allerdings sehr unüblich, Präteritum zu verwenden. Hier ist Deutsch ausnahmsweise einmal einfacher. Einen Unterschied zwischen Indefinido und Imperfecto (hablé/hablía) gibt es nicht, nicht einmal in der Schriftsprache. Hier ist die spanische Sprache wesentlich strenger. In Norddeutschland kommt das Präteritum oftmals auch in der Alltagssprache vor. Im Süden und in Bayern dagegen fast nie. Frage dich also: gehört das Präteritum zu den 20%, die mir viel Zeit und Energie rauben?

Der Konjunktiv hat im Deutschen eine gehobene Stellung. Vielleicht könnte man ihn ein wenig mit dem Subjuntiv im Spanischen vergleichen. Allerdings ist man im Deutschen nicht so streng in der Anwendung. Im Gegenteil: Wer in der Alltagssprache zu viel Konjunktiv verwendet, der wird eher belächelt oder als “pijo” “abgestempelt“.

Der Konjunktiv I wird meistens in der indirekten Rede verwendet: “Sie sagt, dass sie gerne koche.” Auch findet man den Konjunktiv I in Gebrauchsanweisungen oder Kochrezepten als Handlungsaufforderung: “Man nehme drei Eier.” In der Alltagssprache spielt der Konjunktiv I allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Man kann nämlich genauso schreiben: “Sie sagt, dass sie gerne kocht” oder “Nehmen Sie drei Eier”.

Der Konjunktiv II: (ich ginge ins Stadion/ich würde gehen, wenn ich Zeit hätte) benutzt man als hypothetische Form oder als Form der Höflichkeit (ich würde gerne mit dir ins Stadion gehen/ ich hätte gerne zwei Bier). Genauso kann man in der Alltagssprache aber auch sagen “ich gehe ins Stadion, wenn ich Zeit habe” und “ich nehme zwei Bier, bitte” oder einfacher “Bitte zwei Bier”. Frage dich also: gehört der Konjunktiv I undII zu den 20%, die mir viel Zeit und Energie rauben?

Das Plusquamperfekt (ich war gegangen, ich hatte gekauft) wird meist nur in der Schriftsprache verwendet, um eine abgeschlossene Handlung in der Vergangenheit auszudrücken: “Er ging ins Fußballstadion, da er die Karten bereits gekauft hatte”. Plusquamperfekt kann in der Alltagssprache im Notfall auch mit Perfekt ersetzt werden: “Er ist in das Fußballstadion gegangen, da er die Karten bereits gekauft hat.” Allerdings hört sich das für die Ohren eines nativen Sprechers nicht schön an. Möchte man das Plusquamperfekt anwenden, dann sollte man auch die Hilfsverben “hätte” oder “wäre” benutzen. Frage dich also, gehört das Plusquamperfekt zu den 20%, die mir viel Zeit und Energie rauben?

Passiv drückt eine Handlung aus, die nicht aktiv passiert. Anstatt “ich bezahle die Rechnung” sagt man im Passiv: “die Rechnung wird von mir bezahlt”. Das Objekt aus dem Aktivsatz wird also zum Subjekt gemacht. Die Rechnung wird hervorgehoben. Mit dem Passiv kann aber auch Distanz ausgedrückt werden: “ich mache die Arbeit” (aktiv) und “die Arbeit wird von mir gemacht” (passiv. die Arbeit wird nicht gerne gemacht). In der Alltagssprache wird das Passiv häufig verwendet. Man kann es aber auch einfach umgehen, indem man einen aktiven Satz konstruiert. Ob es allerdings zu den 20% gehört, die 80% der Produktivität bringen oder zu den 20%, die viel Zeit und Energie rauben, musst Du selbst entscheiden.

Der Wortschatz:

Um beim Lernen des Wortschatzes nach dem Pareto-Prinzip vorzugehen, ist etwas schwieriger als bei der Grammatik. Man unterscheidet generell zwischen dem Grundwortschatz und dem Aufbauwortschatz.  Da ein Grundwortschatz in allen Bereichen notwendig ist, muss dieser auch vorhanden sein. Ohne Wortschatz keine Sprache. Wie Du effektiver die Vokabeln lernst und die Wörter besser behalten kannst, erkläre ich in dem Artikel “Vokabeln richtig lernen”.                                                                                   Um beim Aufbauwortschatz mit dem Pareto-Prinzip zu arbeiten, solltest Du meine Vokabellisten verwenden, die in der Kategorie “Übungen zu Grammatik und Wortschatz” zu finden ist. In diesen Listen habe ich die wichtigsten Wörter zu den einzelnen Berufen zusammengetragen.                

V.

Wenn Du die Inhalte herausgefunden hast, dann musst Du dich fragen, welcher Lerntyp bin ich und mit welchen Methoden kann ich am besten arbeiten? Welches sind die effektivsten Tools, die mir 80% Erfolg verschaffen? Welches sind meine Stärken und wie kann ich diese Stärken am besten umsetzen. Auch hier zählt, welches sind die 20%, die mir 80% Produktivität bringen. Folge den Anweisungen in den Artikeln zu “Lernstrategien” genau und setze sie auch in die Praxis um. Diese Übungen sind gezielt auf das Pareto-Prinzip ausgerichtet.

 

Achtung! Ich behaupte nicht, dass man die oben genannten Gebiete der Grammatik einfach ignorieren kann. Natürlich sollte man sie früher oder später erlernen um die deutsche Sprache umfassend zu beherrschen.  Es stellt sich lediglich die Frage, ob sie bei der Anwendung des Pareto-Prinzips nicht die 20% ausmachen, die 80% Energie rauben und Frustration erzeugen. Beispielsweise verstehe ich heute, wann man den Subjuntiv im Spanischen benutzt. Ihn anzuwenden ist noch immer eine Herausforderung, aber gleichzeitig so etwas wie ein sportlicher Wettkampf. Das macht Spaß – meistens, nicht immer. Damals in Salamanca, als ich angefangen habe Spanisch zu lernen, war der Subjuntiv allerdings ein Killer.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich Pareto auf das Deutschlernen folgendermaßen übertragen. Welche 20% der Inhalte bringen mir 80% Erfolg? Auf welche Dinge kannst Du dich fokussieren, die dich wirklich nach vorne bringen?

 

 

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